Auf dem staubigen Feld in Simbabwe sind orangfarbene Hütchen in einer Reihe aufgestellt. Die Kinder, Jungen und Mädchen, werden in vier Gruppen aufgeteilt. Jeder Spieler muss mit dem Ball am Fuß im Slalom durch die Hütchen dribbeln. Jedem Fußballer ist diese Trainingsübung bestens vertraut, im HIV/AIDS-Aufklärungsprogramm von Grassroot Soccer jedoch erhält die Übung eine ganz neue, tiefer gehende Bedeutung.
Im sogenannten „Risk Field“ ist jedes Hütchen mit einem Schild versehen, das auf riskantes Verhalten hinweist, welches zu einer Ansteckung führen kann. Wenn ein Spieler eines der Hütchen mit dem Ball berührt, muss er Liegestütze machen – eine symbolische „Strafe“, die die Jungen und Mädchen auf die Konsequenzen hinweisen soll, die derartig riskante Verhaltensweisen im Umgang mit HIV nach sich ziehen können. HIV/AIDS betrifft jedoch nicht nur einzelne Menschen, die Krankheit kann ganze Familien und Gemeinschaften zerstören. In späteren Runden des Spiels müssen deshalb zunächst auch das ganze Team des Spielers, der das Hütchen berührt hat, und später alle Teams bei einer Berührung Liegestütze machen.
Diese Übung ist ein Beispiel dafür, wie die im Jahr 2002 von Tommy Clark, Ex-Profifußballer und Arzt, gegründete Organisation Grassroot Soccer (GRS) die Kraft des Fußballs für den Kampf gegen HIV & AIDS in Afrika einsetzt. Mit seinen interaktiven Aufklärungs- und Erziehungsprogrammen, bei denen der Lehrer als „Trainer“ bezeichnet und der Fußballplatz zum Klassenzimmer wird, möchte GRS erreichen, dass die teilnehmenden Jungen und Mädchen lernen, für ihr Leben und ihre Gesundheit wichtige Entscheidungen zu treffen.
„Bei der ersten Runde im „Risk Field“ rasen die Kids geradezu durch den Parcours, um zu gewinnen“, so Grassroots COO Bill Miles. „Bei den letzten Runden sind sie aber schon so müde von den Liegestützen, dass sie sich nur noch ganz langsam und vorsichtig durch die Hütchen bewegen, um sie ja nicht zu berühren. Und so ist es im Leben auch. Wenn man weiß, dass da draußen Risiken lauern, stürmt man auch nicht einfach drauflos, ohne die Situation kontrollieren zu können.“
Erschöpft und aufgekratzt versammeln sich die Kinder nach der Übung zur Besprechung um den Trainer. Doch nicht die Dribblings sind es, die diskutiert werden. Denn Fußball ist nur der einfache Teil der Übung. In Afrika und für GRS ist der Fußball ein wichtiges Hilfsmittel im Kampf gegen die tödliche Krankheit. Und am Ende können die Spieler, die Teams und die Gemeinschaft hier einen viel größeren Sieg feiern, als es auf dem Feld möglich ist – einen Sieg, der sogar ihr Leben retten kann.